4. Sinfonie
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Sinfonie Nr. 4 „Contra bellum“

Zu dem Werk Sinfonie Nr. 4 „Contra bellum“ schrieb Eberhard Kneipel 1985 folgendes:

Der näheren Bestimmung einer analogen Aussage dient der Titel der 4. Sinfonie „Contra bellum“ (Gegen den Krieg). Ihm tritt ein Zitat zur Seite: die Vertonung des „Da pacem, Domine“ in der Lutherischen Übersetzung durch Balthasar Resinarius in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts.

Als cantus firmus durchzieht es original und variiert das ganze Werk. Dabei erlangen der Ganztonschnitt f-g („Frieden“) und, in der Quinttranspositon des Zitats, die Tonfolge c-b als Klangsigel für „Contra bellum“ tonsymbolische Bedeutung. Dunkel lastenden, unheilvollen Klängen und bedrohenden Ausbrüchen steht im 1. Satz die entschlossene Kraft des cantus firmus der Blechbläser entgegen. So vermögen die Soloinstrumente bei der Rückkehr des düsteren Beginns ein Zeichen von Hoffnung einzubringen.

 

Der 2. Satz formiert mit aggressiven Klanggesten, brutalen Tutti-Einsätzen und heulenden Bläserläuten eine Vision des Schreckens, gegen die sich der cantus firmus mit der Kraft des Steicher-Unisonos zu behaupten sucht; er bleibt in den ruhigen Episoden, den Kadenzen der Oboe und den Bläsersoli des Satzschlusses , gegenwärtig – teils verschwommen, mühsam bewahrt, doch nicht verdrängt, denn vernehmlich halten die Flöten am Ende das Ganztonintervall fest! Mit dem innigen Gesang der Flöte (später der Violine) und eindringlichem Streichermelos verstrahlt der 3. Satz eine Atmosphäre von Besinnung und innerer Festigkeit.

 

Das Finale aber wird noch einmal zum Schauplatz dramatischer Verdichtungen. Dem Ansturm der Pauken vermögen die Klarinetten mit dem Zitat nur verhalten zu begegnen. Doch auf die anschwellende, seelenlose Tutti-Bewegung (mit Reminiszenzen des 2 Satzes) antwortet dann der cantus firmus als Zeichen des Widerstandes und des Aufbruchs mit einer großen, dynamisch gespannten Melodielinie der Geigen, mit den Gegenstimmen der Posaunen und schließlich – nach der Wiederkehr des Satzanfanges und inmitten des aleatorischen Getümmels aller übrigen Instrumente – mit der sieghaften Hymne der Blechbläser.

 

Danach vereint sich das Orchester beziehungsvoll auf dem Ton c (contra), und dieses mächtige Crescendo gipfelt im warnenden und zugleich appellierenden Paukensolo des letzten Taktes. Damit konzentriert der Satzschluss noch einmal auf knappstem Raum das ideelle Konzept dieser Sinfonie, mit der Dietrich – Gattungserbe und humanistische Tradition aufarbeitend – „die Wahrnehmungen aus den Ereignissen unserer Zeit“ und das „Ergebnis meines eigenen Verhaltens zur Welt in musikalischen Prozessen“ – also wohl wissend um die Notwendigkeit und Nützlichkeit eigener Aktivität – gestaltet hat: Bedrohung und Zuversicht.

Plattencover KD
CD Cover KD